Krimiautor lässt im Museum morden

Das neue Werk eines Hohenstein-Ernstthalers spielt in Waldenburg. Bisher töteten seine Figuren mit Gift – diesmal nicht.
Von Christian Meyer erschienen am 28.03.2017.


Waldenburg. Merkwürdige Gegenstände sind nichts Ungewöhnliches im Waldenburger Naturalienkabinett. Doch als die junge Chefin des Museums zwischen all den Gläsern mit in Spiritus eingelegten Tieren, menschlichen Gliedmaßen und deformierten Föten eine Hand sieht, wird sie stutzig. Es ist keine Kinderhand, sondern die eines erwachsenen Mannes, die in dem Ethanol- gemisch konserviert liegt. Ihr Blick fällt auf das Etikett, auf dem steht: ›Hand eines Verbrechers, wegen Unzucht zum Tode verurteilt‹. Es ist nicht der Text, der sie irritiert, sondern das Papier, auf dem er geschrieben steht. Es ist zu neu. Die Museumschefin nimmt ihr Handy – und ruft die Polizei.

Neugierig geworden? Der jüngst veröffentlichte Kurzkrimi ›Ein Glas zu viel‹ von Autor Mario Schubert hat nicht nur eine spannende Handlung, sondern bietet zudem eine besondere Kulisse. Der Hohenstein-Ernstthaler hat bereits mehrere Krimis geschrieben, die in der Region spielen – und in denen die Opfer vergiftet werden. Diesmal fließt Blut. Im Zentrum steht ausgerechnet eine Restauratorin des Waldenburger Museums, die einen Mord begeht – und eine Hand des Opfers fachmännisch verarbeitet.

Wie kommt Schubert auf so etwas? »Ich wollte unbedingt die Handlung meines Krimis im Waldenburger Naturalienkabinett spielen lassen«, sagt er. »Die Kulisse mit den schaurigen Objekten eignet sich perfekt für einen Krimi mit besonderem Flair.« Zuerst stand also der Handlungsort, die Geschichte kam später hinzu. Ein Mord im eigenen Haus dürfte für viele Museumsleiter eine alptraumhafte Vorstellung sein. Christina Ludwig, die reale Chefin des Waldenburger Museums, war allerdings begeistert, als Schubert ihr von der Idee erzählte. »Wir sind für alles offen. Auf diese Art erfährt ein literarisch interessiertes Publikum von unserer Einrichtung und was man hier so entdecken kann.« Ludwig hat dem Autor nicht nur beratend zur Seite gestanden und sein Manuskript überprüft, sie taucht auch indirekt als Museumsleiterin im Krimi auf. Schubert hat seinen Kurzkrimi auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt und arbeitet derzeit schon an einem neuen Werk.

Der Kurzkrimi ›Ein Glas zu viel‹ ist in der Anthologie ›Sachsenmorde 2‹ erschienen und ist in den ›Freien Presse‹-Shops zum Preis von 13 Euro zu haben.


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